Im Lockdown Modus

„Als Karai Familie sind wir in allen Bereichen betroffen. Darüber hinaus sind aktuell sicherlich sehr viele Kinder auf der Straße – aufgrund von Corona und all den Maßnahmen. Als Gesellschaft werden wir zukünftig viel mehr bedürftige Kinder haben.“

Das sagt Moses Chege, der Generalmanger von Karai. In einem Interview mit Marlene Zierheim, der Vorsitzenden im Vorstand der Stiftung, äußert er seine Sorgen um Karai und Kenia.

Im Heim waren zu Beginn der Pandemie Mitte März rund 20 Kinder, alle anderen wurden in die Familien (Restfamilie bzw. Erziehungsberechtigte) geschickt. Das Heimteam hat – außer es war wegen Reisebeschränkungen nicht möglich – die Kinder regelmäßig unangekündigt besucht um sicher zu stellen, dass es ihnen gut geht, sowohl physisch als auch mental. Da die Familien der Kinder durch die Restriktionen wegen Corona mit noch mehr Problemen zu kämpfen haben wie zu normalen Zeiten schon, ist man in Karai jederzeit darauf vorbereitet die Kinder zurück ins Heim zu holen. Im August kamen 11 Jungen zurück, bei denen sich gezeigt hat, dass sie im Heim besser aufgehoben sind: Manche bekamen nicht genug zu essen, andere waren wieder auf der Straße gelandet.

Homeschooling mit Sozialarbeiter James

Viele der Mitarbeiter sind zu Hause, vor allem die Lehrer. Das Heimteam, die Mitarbeiter der Farm, der Verwaltung und der Werkstätten arbeiten voll oder teilweise, die Buchhalterin arbeitet im Home Office.  Die Heimmitarbeiter geben ihr Bestes und folgen den Empfehlungen der WHO und der lokalen Behörden um die Kinder zu schützen. Alle bekommen nach wie vor ihr Gehalt, auch wenn sie nicht arbeiten dürfen. Aber wie gehen die Angestellten mit den Ängsten um, die diese Pandemie für viele Menschen mit sich bringt?

„Diejenigen, mit denen ich darüber gesprochen habe, wie sie sich fühlen, sind sehr stark und erkennen die Situation und die Gefahr. Sie sind bereit, sich allem zu stellen, was kommen mag. Sie versuchen nach besten Kräften, sich selbst und ihre Familien zu schützen. Auch sind sie sehr dankbar, dass sie ihre Jobs behalten durften. Einige haben mir erzählt, dass in ihren Familien viele ihren Job verloren haben und dass sich daraus viele Herausforderungen ergeben.“

„Wir mögen durch dieses Jahr durchkommen, aber wenn es so weiter geht, was ist nächstes Jahr? Auch bin ich sehr besorgt um unsere Kinder, die nun alle ein Jahr ihrer Bildung verlieren.“

In Kenia bleiben alle Schulen bis zum Jahresende geschlossen. Im Januar fängt dann das neue Schuljahr an, bzw. das alte nochmals, denn das verlorene Jahr wird nachgeholt. 2020 wird es also keine Schulabgänger geben.

„Dass die Pandemie soziale Unterschiede verstärkt, ist in ganz Afrika sehr deutlich zu sehen. Wir haben beispielsweise gehört, dass die Frau eines Präsidenten in ein anderes Land geflogen wurde um dort gegen COVID-19 behandelt zu werden. Aber was ist mit uns, den unteren Einkommensgruppen? Da zeigt sich ganz deutlich, wie groß die Unterschiede zwischen arm und reich sind. Obwohl der Virus alle betrifft. Viele sollen nun zu Hause behandelt werden, da die Krankenhäuser keine Kapazitäten mehr haben. Wer kann sich das denn leisten und hat überhaupt die nötige Infrastruktur dafür? Nur Reiche. Aber was passiert mit allen anderen? Ich hoffe wirklich, dass auch diese Betroffenen irgendwo behandelt werden. Beispielsweise musste jeder Bezirk eine gewisse Anzahl an Betten bereithalten.“

Händewaschstation
Kinderbeschäftigung im Gemüsebeet